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International Budo-Karate Seminar mit Sensei André Bertel (6. Dan) vom 16.-17. März 2019 in Freital

Es ist Samstag, der 16. März. Der Wecker klingelt… Es ist 6.00 Uhr. Der Tag, auf den wir uns seit 9 Monaten freuen… Schnell noch einen Kaffee, der Hund muss nochmal vor die Tür und ich knutsch meine Frau und meinen 3 monatigen Sohn. Der Rest pennt noch. Dann geht’s los. Wohin?

Zum Andre Bertel Seminar!

Alles eingepackt? Gürtel, Gi, Handtuch, Badges, Europakarte, Fähnchen, Kasse, die letzten Kontoauszüge… Alles gestern Abend noch vorbereitet. Und das schönste? Ich muss quasi nur über die Straße laufen. Keine 100 m bis zur Halle. Um 7.00 Uhr ist Treff. Gestern Abend um 22.30 Uhr brannte noch Licht… Was wenn die Halle auf einmal doppelt belegt ist? Mitten auf der Kreuzung sind schon die ersten fleißigen Helfer zu Gange und bringen die Karate-Schilder an, die ich im Übrigen sehr gelungen finde. Der Hausmeister schließt gerade die Halle auf. Wir gehen hinein, keiner da außer uns, mir fällt ein Stein vom Herzen… Die Biertische und die Matten sind auch schon da. Jeder kennt seine Aufgaben, viele Vereinsmitglieder sind da, teilweise sogar mit Familien. Stephan hat alles perfekt eingeteilt und alles ist organisiert. Der Pausenraum wird präpariert, der Einlass vorbereitet und die Halle geschmückt. Die Brötchen werden angeliefert, der Kaffee läuft und alle packen beim Tragen der Getränke mit an. Gegen 8.30 Uhr kommen die ersten Gäste. Zum Glück noch einzeln, damit sich unsere Einlasskontrolle einschießen kann, denn auch unsere Jugend sitzt mit dort. Das wird bestimmt hart, aber die schaffen das!

Es ist inzwischen 9.00 Uhr und der Aufbau ist abgeschlossen, alles sieht gut aus. Die kleineren Probleme inkl. sprachlicher Verständigung am Einlass werden an Marco und mich weitergeleitet und können schnell behoben werden. Die Maschinerie läuft… Wahnsinn!

9.30 Uhr ist der Oberbürgermeister schon da, 15 min eher als geplant. Aber er beruhigt mich, möchte sich noch ein bisschen umsehen und merkt das wir unter Strom stehen.

Und dann ist er da. Sensei André Bertel betritt die Turnhalle des Weißeritzgymnasiums wie alle anderen auch. Er begrüßt uns und wir verbeugen uns.. OSU.. ich halte meine Verbeugung ein klein wenig länger. Aus Respekt. Er hat mich in den letzten 36 h bereits vollkommen in seinen Bann gezogen. Jetzt sind langsam alle Schwierigkeiten vergessen, die lange Vorbereitung, die verpatzten Flüge. So langsam wird der kleine aufgeregte Junge in mir wach.

9.40 Uhr und die Schlange am Einlass wird nicht kürzer. Wir verteilen noch ein paar Ersatzlisten und 10 min später sind dann alle im Gebäude und auch ich bin inzwischen umgezogen. Ich betrete nun endlich die Halle und sie ist inzwischen gefüllt mit Karatekas aus halb Europa, viele Bekannte und auch Freunde von anderen Lehrgängen. Als Sensei André den Raum betritt, sind die meisten schon zum Training angetreten.

Unser Vorsitzender hat die Ehre, die Gäste zu begrüßen und das Seminar zu eröffnen. Andrésan (thats quite a joke for the Seisei, if he read this), Stephan und ich stehen hinter Ihm und auch der Oberbürgermeister gesellt sich zu uns. Er wird als Schirmherr der Veranstaltung auch noch ein paar Worte an die einheitlich weiß gekleidete Masse richten, die alle nur aus einem Grund nach Freital gekommen sind: André Bertel. Und ich soll übersetzen… Zumindest war das ja der Plan für unser Kindertraining gestern. Und dort hat das ja auch ganz gut geklappt. Und dann standen Sie auf einmal da nach dem Training. Die Kids. Und haben sich bedankt. Für das Übersetzen! Das hat Ihnen echt gut gefallen und hat diese Einheit zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Und mich hat dieses kleine, ehrliche „Danke“ ganz unvorbereitet getroffen und umgehauen…

SEIZA

Die Reden sind vorbei und endlich beginnt das Training, der Sensei begrüßt die Trainierenden und als ich mich zum Übersetzen nach vorne schleiche, bittet er mich, die Erwärmung zu übernehmen… Verdammt! Ich hätte heute Lotto spielen sollen. Aber auch das krieg ich heute irgendwie hin, schließlich fühlt es sich gar nicht so schlecht an, wenn 200 Leute nach meiner Pfeife tanzen oder hüpfen…

Bertel Sensei entschuldigt sich, dass die erste Einheit so langsam anfängt, ich verstehe aber gar nicht so richtig, warum. Diese vielen, kleine Dinge sind sooo wichtig und mir gefällt die Art des Kihon mit Choku-Tzukis, welche er zusammen mit „Rotations“ und vielen Erklärungen zur Gewinnung der „Groundpower“ in ein Grundlagentraining auf hohem Niveau verpackt. Hinzu kamen viele Übungen zum richtigen Timing, die uns noch das ganze Wochenende verfolgen werden. In der Mittagspause hatte ich das erste Mal wirklich Gelegenheit, das Trainingslager wirken zu lassen. Die letzten 2 Stunden waren wie im Flug vergangen und durch das Übersetzen und das aufsaugen des Trainings mit allen Sinnen, blieb nicht wirklich Zeit, seinen eigenen Gedanken auch nur kurz nachzuhängen. Da auch unser Verpflegungsteam alles bestens im Griff hatte, blieb jetzt auch etwas Zeit für ein paar kurze Gespräche. Was mir dabei in Erinnerung bleiben wird, ist das überwältigende Feedback der Lehrgangsteilnehmer. „Die Organisation wäre der Hammer“ und „es fühlt sich bei uns wie Urlaub an“ waren Aussagen, gepaart mit einem herzlichen Händedruck und einem Lächeln, von Menschen, die man bisher kaum oder gar nicht kannte. Ich hoffe, jeder unserer Helfer konnte das spüren und ich möchte euch allen dafür danken! Ich bin stolz auf euch!

Mein wichtigster Plan für die Mittagspause war inzwischen auch erledigt, ich hatte mich beim Sensei schon mal im entschuldigt, falls ich Ihm ins Wort falle. Und jeder, der Ihn ein bisschen näher kennt, kann sich vorstellen wie er reagiert hat…

Pünktlich 14.00 Uhr begann die zweite Einheit. Das Hauptthema war die erste Hälfte der Kata Kakuyoku Shodan (Kranichflügel), die von Tetsuhiko Asai geschaffen wurde. Ebenso wiederholte der Sensei das Prinzip des „Iriguchi Waza“, was heute eher selten gelehrt wird und als Eröffnung für andere Techniken gilt. Auch diese Einheit war viel zu schnell vorbei. Nach der wohlverdienten Dusche und fast als letzter in der Halle ging es dann ab nach Dresden, zur Lehrgangsparty. Gegen 18.00 Uhr war das Stammhaus noch ziemlich leer und wir konnten ein Großteil der Gäste sogar persönlich begrüßen. Und endlich gab es das erste Bier!

Das Haus war voll, die Getränke kalt, das Essen lecker und das Personal sehr aufmerksam. Ob die wußten, dass ich die Rechnung überweise? Auf jeden Fall nutzten wir den Abend für Gespräche mit alten Freunden und Bekannten, ließen es uns aber auch nicht nehmen, als Ausrichter einige der anderen Tische abzuklappern. Sorry, dass wir nicht alle geschafft haben. Kurz vor Mitternacht ging es dann satt und zufrieden auf den Heimweg und ins Bett.

Der Sonntag begann mit einem wunderschönen Morgen und mit einer magischen Stille, weil 7.30 Uhr einfach noch die halbe Welt schläft. Ich hatte die Hände frei und konnte so mit meiner leckeren Tasse Kaffee (wiederverwendbare Tasse) meinen 2minütigen Fußweg genießen. In der ersten Einheit vervollständigten wir die angefangene Kata und übten diese dann auch fleißig…

In den Trainingspausen und auch am Nachmittag nahm sich André Bertel viel Zeit für seine teilweise sehr weit gereisten Fans und stand immer aufgeschlossen für Fragen, Diskussionen und auch endlose Fotosessions zur Verfügung.

In der letzten Einheit versuchten wir noch einmal alle Kleinigkeiten und Andrés Prinzipien vor allem in der Kata zu üben. Auch andere Details und Bunkaianwendungen probierten wir nochmal mit dem Partner gemeinsam aus. Durch das schreckliche Attentat in Andrés Heimatstadt in Neuseeland, unweit des Wohnortes seiner Familie, wurde an uns die Bitte nach einer Schweigeminute heran getragen. Dem kamen wir sehr gern nach. Das war ein schöner und respektvoller Abschluß eines unglaublichen Wochenendes und ich persönlich bin sehr auf die Umstände gespannt, die mich davon abhalten wollen, im September zum nächsten Andrè Bertel Seminar nach Halle zu fahren.

Osu

(Bericht von Randy-Andy Nietzold)

André Bertel kommt 2020 wieder zu uns nach Freital. Wer nach diesem Bericht, den Bildern oder unserem Seminar im April 2019 Blut geleckt hat und ihn live erleben möchte, ist herzlich eingeladen. Hier die Ausschreibung und das Anmeldeformular.